
Tashkent
Nach einigen Tagen in Bukhara bringt uns der Zug nach Tashkent, der Hauptstadt Usbekistans. Für die Stadt bleiben uns nur zwei Tage – zu wenig, um alles zu entdecken, aber genug, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Schnell wird deutlich, dass Tashkent viele Gesichter hat: historische Moscheen, lebendige Märkte, sowjetisch geprägte Architektur und moderne Stadtviertel liegen oft nur wenige Minuten voneinander entfernt.
Unser erster Weg führt zum Khazrati-Imam-Komplex. Die weitläufige Anlage wirkt trotz der Besucher angenehm ruhig und bietet Gelegenheit, die Architektur ohne Hektik auf sich wirken zu lassen. Direkt daneben entsteht das Kulturzentrum „Islom Sivilizatsiya Markazi“. Der gewaltige Kuppelbau erinnert mich mit seinen Proportionen an das Taj Mahal in Agra – auch wenn beide Bauwerke eine ganz unterschiedliche Geschichte erzählen.






Von dort geht es weiter zum Chorsu-Basar, einem der ältesten Märkte entlang der historischen Seidenstraße. Zwischen Obst, Gewürzen und frischen Lebensmitteln spielt sich der Alltag der Stadt ab. Besonders in der Fleischhalle bleiben wir länger stehen. Die Metzger präsentieren ihre Ware mit sichtbarem Stolz, arbeiten routiniert und lassen sich von den Blicken der Besucher kaum aus der Ruhe bringen. Wenige Meter weiter steigt der Duft frisch gegrillten Fleisches auf. Der Chorsu-Basar ist für mich weniger eine Sehenswürdigkeit als ein Ort, an dem sich das alltägliche Leben Tashkents beobachten lässt.






Direkt neben dem Basar befindet sich einer der Zugänge zur Tashkenter Metro. Sie wurde 1977 eröffnet und war die erste U-Bahn Zentralasiens. Viele Stationen sind individuell gestaltet und erinnern eher an unterirdische Hallen als an gewöhnliche Bahnsteige. Besonders spannend fand ich den Wechsel der Atmosphäre: Eben noch ist eine Station fast menschenleer, wenige Sekunden später trifft ein Zug ein und der Bahnsteig füllt sich schlagartig. Kurz danach kehrt wieder Ruhe ein.






Nach einer kurzen Pause im Hotel genießen wir zunächst den Blick über die Stadt, bevor wir unseren letzten Programmpunkt besuchen: die Herz-Jesu-Kathedrale. Dass sich eine katholische Kirche unweit islamischer Bauwerke und sowjetischer Architektur befindet, zeigt, wie vielfältig Tashkent heute ist. Während der Sowjetzeit wurde das Gebäude zweckentfremdet, inzwischen dient es wieder als Kirche und steht als architektonisches und historisches Denkmal unter Schutz.







Tashkent hat mich weniger durch einzelne Sehenswürdigkeiten beeindruckt als durch seine Gegensätze. Zwischen Tradition, Alltag und den Spuren der Sowjetzeit entsteht eine Stadt, die man am besten zu Fuß, auf Märkten und in der Metro kennenlernt – dort, wo sich das tägliche Leben abspielt.












